Bericht über Orff Schulwerk Teacher Trainings Course in Bangkok
Orff-Schulwerk Kurs an der Mahidol University, College of Music in Bangkok, März/April 07
Alexandra Zach
Von 26.3. -6.4.07 leitete ich an der Mahidol Universität in Bangkok am „College of Music“ einen Kurs zum Thema „Orff Schulwerk: Ausgewählte Themen aus der Musik- und Tanzerziehung in Theorie und Praxis“.
Nach vielen organisatorischen Vorüberlegungen flog ich also nach Bangkok, begleitet von einem vollen Koffer mit vorbereitetem Material einer vielseitig tätigen Musik- und Tanzpädagogin, wie auch zusätzlich ins Englische übersetzte Texte über Geschichte, Inhalte und Prinzipien des Orff Schulwerks, sowie einer etwas gespannten Vorfreude, was mich in „The Big Apple of Asia“ wohl erwarten wird.
Der Kurs wurde über die Kunstuniversität Graz durch Prof. Gerhard Wanker vermittelt und von der Mahidol Universität, College of Music sehr professionell organisiert und betreut und in Vormittags- und Nachmittagseinheiten von insgesamt täglich fünf Stunden eingeteilt. Aufgrund der zeitlichen Organisation, konnte ich die Inhalte und auch die Erarbeitung umfangreicher musikalisch-tänzerischer Gestaltungen auf sehr vertiefende Weise vorstellen. Die Teilnehmer waren zum Großteil bereits im Beruf stehende, oder sich noch in der Ausbildung befindende Musikpädagoginnen mit gut ausgebildeten musikalischen Grundkenntnissen.
Für mich war die Arbeit eine sehr große Freude, da die Teilnehmer sich sehr interessiert zeigten, was die Arbeit mit musikalisch instrumentalen, gesanglichen und sprachlichen Inhalten, als auch mit Tanz und Bewegung anbelangte. Besonders beeindruckt war ich von der sensitiven, ja fast meditativen Aufmerksamkeit während des gesamten Kurses, sowie einer unbändigen Freude beim Gestalten und Erarbeiten von elementaren musikalisch-tänzerischen Inhalten.
Es ging mir vor allem darum, die grundlegenden Prinzipien des Orff Schulwerk- Ansatzes in Theorie und Praxis zu erklären und zu etablieren, sowie die Elemente des Lernens in der Synthese von Musik und Tanz und anderen künstlerischen Bereichen im Sinne der Integration von Bewegung, Sprache und Orff-Instrumentarium mit unterschiedlichen Zugangsweisen und musikalisch-tänzerischem Material vorzustellen.
Ich habe mich bemüht mit praktischen Beispielen und theoretisch-didaktischem Anschauungsmaterial zu vermitteln, dass es nicht um eine 1:1- Übersetzung der Inhalte und Themen geht, sondern auch um einen verantwortungsbewussten, kreativen und selbstständigen Umgang im Zusammenspiel der Bereiche Musik-Tanz und Sprache. Auch die Integration von Malerei, Literatur und anderen Kunstformen war grundsätzlich neu und wurde mit großem Interesse aufgenommen,
In der lebendigen Arbeit mit dem musikalisch- tänzerischen Material befanden wir uns im Rahmen der Improvisation und Komposition zumeist bald in thailändischen Rhythmen und Melodien und auch sprachlich haben wir manche Lieder, die ich
ursprünglich in englischer oder anderer Sprache mitgebracht hatte, wieder in Thai Sprache übertragen…die Integration der eigenen Sprache war mir sehr wichtig. So war es möglich, zu komponieren, zu texten, zu choreografieren, oder von fixen
Tanzteilen ausgehend wieder musikalisch instrumentale oder rhythmische
Stücke zu kreieren. Sehr spürbar für mich ist die natürliche Vertrautheit mit dem Spiel auf den Xylofonen (in Spielweise und Schlägel-Technik), welche Carl Orff bzw. die ersten Baumeister des „Studio 49“ unter anderem aus dem ostasiatischen Raum in adaptierter Form nach Europa gebracht haben.
Einige wichtige Dvds über das Orff Schulwerk, Geschichte, sowie das Orff-Institut von Coloman Kallos ergänzten meinen Unterricht sowie die Dvd „Elementares Musizieren“ von Prof. Ulrike Jungmair, die einen sehr praktischen Einblick in die direkte pädagogische Arbeit mit den Inhalten einer Musik- und Tanzpädagogik im Sinne des Orff Schulwerks gibt.
Theoretische Inhalte habe ich versucht täglich in Form eines
kurzen Vortrags über jeweils unterschiedliche Themen und Grundlagen des Orff
Schulwerkes, wie die Geschichte (von der Günther Schule bis zu Orff Schulwerk heute); Leben und Schaffen Carl Orffs und Gundild Keetmanns; die Grundlagen der Musik- und Tanzpädagogik als Modellcharakter einer ästhetischen Erziehung; besondere Schwerpunktthemen: Planung, Gestaltung und Reflexion einer Unterrichtseinheit, sowie ausgewählte Themen zur Musik- und Tanzpädagogik, einfließen zu lassen. Vor allem handelte es sich um Einführungsthemen.
Ein Skriptum dieser Inhalte wurde von mir am Anfang des Kurses verteilt.
Am vorletzten Kurstag veranstaltete ich wie bereits im Vorfeld geplant, gemeinsam mit den Teilnehmern des Kurses im Foyer des Instituts eine einstündige Performance mit zum Teil im Laufe des Kurses komponiertem und choreographiertem musikalisch-tänzerischem Material d.h. einzelne Gesamtgestaltungen, die aus den kreativen Prozessen im Laufe der Kurstage entstanden sind.
Eine theoretische Prüfung über Inhalte, Prinzipien und Geschichte der Orff Schulwerk Pädagogik war gewissermaßen Vorgabe der Mahidol Universität.
Zu guter letzt haben die Teilnehmer am letzten Tag in 10-minütigen Einheiten zu zweit eine Team - Teaching Sequenz mit Inhalten aus thailändischen Tänzen und
Liedern vorgestellt, die sie im Hinblick auf die in den zwei Wochen erfahrenen
Prinzipien mit viel Enthusiasmus und Freude präsentierten.
Für mich war das gemeinsame Musizieren und Tanzen mit dem „Eigenen Material“ der Teilnehmer ein sehr schöner und abgerundeter Abschluss, da es darum ging, die Inhalte auf das eigene Lied- und Tanzmaterial zu übertragen und zu eigen zu machen und ich habe dabei auch wieder eine Menge Neues gelernt….
Am Wochenende hatte ich die Möglichkeit, zwei Kindergruppen im Bereich der Musikalischen Früherziehung zu unterrichten, für mich war das eine sehr schöne Erfahrung und ein ganz besonderes Geschenk: während meines kurzen Aufenthaltes die Möglichkeit zu haben, mit thailändischen Kindern zu arbeiten.
Leider hatte ich aufgrund der dichten Unterrichtszeit nicht soviel Zeit für die interessante Stadt Bangkok. Patrick Holming, Professor für das Fach Klavier an der Mahidol Universität und meine Kontaktperson im Hinblick auf den Kurs, sowie die Organisatoren vom „College of Music“ haben sich sehr bemüht, mir die Stadt zu zeigen, so habe ich einige der schönen Tempelanlagen von Bangkok, den Lumpini Park und auch die alte Königsstadt Ayuttaya besichtigt und buddhistisch asiatische Luft geatmet.
Mit vielen Erlebnissen, Eindrücken und Freundschaften reicher, komme ich wieder zur Erkenntnis, wie wunderbar bereichernd das pädagogisch-künstlerische Leben einer Musik- und Tanzpädagogin im Rahmen einer solch außergewöhnlichen Erfahrung und im lebendigen Alltag sein kann. Das Lernen mit und durch Musik und Tanz ist immer ein kreativer Prozess, der nie aufhört.
Alexandra Zach, Musik- und Tanzpädagogin
Kunstuniversität Graz
Musikum Salzburg